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Working Equitation
Working Equitation bezeichnet eine Reitdisziplin, die Ihren Ursprung in der Arbeitsreitweise der südeuropäischen Ländern hat und auf traditionellen Reitweisen beruht. In den südeuropäischen Ursprungsländern der Arbeitsreitweise sind die Begriffe „Equitação de trabalho“ (Portugal),"equitaciòn de trabajo" (Spanien), „Monta da lavoro“ (Italien) und in Frankreich „L’équitation de travail“ gebräuchlich.
Diese traditionellen Reiter verbrachten oft mehrere Tage auf dem Pferd und ihre Aufgabe war es, eine Rinderherde von A nach B zu bringen, ohne dass die Rinder gestresst sind, verletzt oder verloren gehen.
Durch die Kolonisation ist diese Reitweise dann auch nach Amerika und Australien gebracht und weiterentwickelt worden, so zum Beispiel die Westernreiterei in den USA.
Mit der Zeit entstand daraus eine Turnierdisziplin, die 4 Teilbereiche umfasst. Am Turnier wird eine Dressurprüfung geritten, die auf die Arbeitsreitweise ausgelegt ist. Diese Prüfung kann je nach Verband als Pflicht oder Kür gestaltet werden und wird immer mit Musik geritten, welche die Reiter selber zusammenstellen können.
Die zweite Disziplin ist eine Trailprüfung. Pferd und Reiter sollen Hindernisse, wie Brücke, Tor und Slalom bewältigen. Diese Hindernisse sind in Anlehnung an Hindernisse, die in der Natur auftreten können. So kann man sich beispielsweise vorstellen, dass es im Feld einen Engpass gibt, durch den man reiten oder die Rinder treiben musste. So entstand als Turnerhindernis zum Beispiel die Glockengasse oder der Pferch. Am Turnier müssen die Hindernisse bzw. deren Bewältigung wertbar sein und so entstanden viele der Trailhindernisse.
Als dritte Disziplin folgt der Speedtrail. Das heisst, der Trailparcours wird in recht hohem Tempo bewältigt. Die Hindernisse sind praktisch identisch mit den Hindernissen des Dressur- oder Stiltrails.
Und natürlich darf die Rinderarbeit nicht fehlen in der Arbeitsreitweise. Dabei geht es darum ein zugelostes Rind aus der Herde zu holen und in eine vorgesehene Zone zu treiben und es in dieser zu halten ohne dass die übrigen Rinder dazu kommen. Die Rinderarbeit wird nicht an allen Turnieren angeboten. Und der Reiter muss über einen Rinderschein nachweisen, dass er befähigt ist, mit Rindern zu arbeiten. Dies geschieht in erster Linie in Hinblick auf tierschutzrechtliche Aspekte für Rind und Pferd.
Zu den entsprechenden Beschreibungen kann man die Reglemente der jeweiligen Verbände konsultieren. So sind die zwei Hauptverbände die WAWE und die FITE. In den entsprechenden Ländern findet man die Reglemente ebenfalls, so zum Beispiel der WED eV. in Deutschland, die WEA in Österreich, Swiss Working Equitation sowie den TWES in der Schweiz etc. Hier finden sich auch entsprechende Regelungen zu Kleidung und Ausrüstung.
Seit einigen Jahren finden auch Welt- und Europameisterschaften statt und diese Reitdisziplin gewinnt immer mehr an Beliebtheit bei klein und gross.
Wieso es zwei Hauptverbände gibt? Dazu kann man sagen, dass es die FITE (als Partner der FEI) schon 50 Jahre gibt. Die FITE ist allerdings nicht so bekannt und führt jährliche Europameisterschaften durch und fördert die traditionelle Reiterei sowie die antionalen Pferdezuchten. Die WAWE wurde in Portugal gegründet und ist in letzter Zeit massiv gewachsen. Die WAWE tat viel für die Bekanntheit der Working Equitation. Die WAWE setzt eher auf die sportlichere Seite der Working Equitaition.
Faszination Working Equitation
Wieso wirkt die Working Equitation so faszinierend auf viele Reiter? Meines Erachtens ist es eine sehr ganzheitliche Reitdisziplin, die grundsätzlich mit jedem Pferd zu bewältigen ist. Eine gute Bindung zu seinem Pferd ist unumgänglich, wie auch ein gut gymnastiziertes und reaktives Pferd.
Wir haben viel Spass bei der Reiterei und wir sind auch wie eine kleine Familie. Und die Turniere, die oftmals über zwei bis vier Tage dauern, sind immer auch ein schönes Zusammenkommen und ein Austausch unter uns Reitern. Aber dennoch sind die Working Equitation Reiter nicht Spassreiter und Haudegen. Schaut man sich mal das Reglement genauer an und versucht man sich vielleicht selbst mal an den Hindernissen, sieht und merkt man dass es schon auch ein hohes Mass an reiterlichem Können, einer Hilfengebung, die schnell und gezielt ankommt, einer vertrauensvollen Verbindung zum Pferd und einer sehr guten Ausbildung. Am Turnier werden beispielsweise die Galoppsprünge zum Wechsel im Parallelslalom gezählt.
Und die Hindernisse können sehr gut in das alltägliche Training miteingebaut werden, um den Trainingsalltag aufzulockern und interessanter zu gestalten. Dabei ist es ganz egal welche Disziplin man reitet.
Es braucht auch kein sehr gutes Dressurpferd oder ein Pferd, welches wahnsinnig gut stoppen und drehen kann oder ein Pferd, welches Häuser springt. Man kann auch ein Kaltblut erfolgreich in der Working Equitation vorstellen oder trainieren. Es braucht ein vielseitiges Pferd, welches mutig mit dem Reiter arbeitet.
Ist die Working Equitation eine Reitweise?
Meines Erachtens nicht. Sie ist eine Reitdisziplin, die auf einer guten Grundausbildung des Pferdes beruht. Es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob jemand nach klassischen Grundsätzen oder Western reitet. Natürlich sollte man, wenn man Turniere reiten will, das jeweilige Reglement beachten.
Was für mich die Working Equitation ausmacht ist, dass ich bestrebt bin mein Pferd am Sitz und mit feiner Hilfengebung zu reiten. Sowie eine vertrauensvolle Verbindung mit meinem Pferd aufzubauen. Und dementsprechend arbeite ich meine Pferde sowie Beritt- und Korrekturpferde von Anfang an in dieser Hinsicht. Da kein Pferd gleich ist wie das andere funktioniert für mich auch kein Schema X, welches über alle Pferde gestülpt wird.
Wird in der Working Equitation immer auf Kandarre geritten?
In der höchsten Klasse, der Masterklasse (S), wird hauptsächlich einhändig auf Kandarre geritten. Bei der FITE kann man allerdings auch andere Gebisse einhändig reiten. Schaut dazu einfach einmal ins Reglement der FITE (www.fite-org.net).
Die tieferen Klassen reiten nicht einhändig und daher auch nicht auf blanker Kandarre. Allerdings wird am Turnier immer die Unversehrtheit des Pferdemauls sowie der Flanken des Pferdes kontrolliert und ein Reiter ausgeschlossen, sollte das Pferd irgendwelche Verletzungen aufweisen.
Ist mein Pferd für die Working Equitation geeignet?
Grundsätzlich kann jedes Pferd in der Working Equitation erfolgreich sein. Schaut man über alle Klassen sind vom Shetty, zum Warmblüter, zum Quarter Horse, zum Gangpferd und auch bis zum Kaltblut alle Rassen vertreten. Wichtig ist, dass die Pferde drei saubere Grundgangarten zeigen können. Sie sollten gut ausgebildet, wendig, vertrauensvoll, mutig und reaktiv sein. Alles weitere ist unseres Erachtens eine Sache der Ausbildung und der richterlichen Bewertung.
Weitere Fragen oder auch, wenn Ihr an der Working Equitation interessiert seid, meldet euch einfach per Mail bei uns.









